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Im August 2023 öffneten wir als kleines Team das erste Mal die Türen unserer Werkstatt. Die Idee war nach der Corona-pandemie Kinder – und Jugendliche ganz neu zu erreichen und ihnen Freude am Gestalten zu vermitteln.

Was mit einer kleinen Idee begann, wuchs schon bald zu einer großartigen Arbeit. Wir entdeckten, dass es nicht nur darum geht, mit den Kindern tolle Bilder zu malen, sondern sie in ihrer Persönlichkeit abzuholen. Wir entwickelten Werte wie zum Beispiel Geduld, Vertrauen, Achtsamkeit und verknüpften sie mit dem kreativen Schaffen. Wir stellten uns der Herausforderung, dass Kinder nach der Schule Müde sind und kaum noch stillsitzen können und schauten nach Strukturen die kreative Räume öffneten, ohne das Gefühl zu vermitteln wieder etwas leisten zu müssen.

 

Bei all dem wurde uns schnell bewusst, dass wir nebenbei in unsere Mitarbeiter investieren müssen, denn Kinder lernen automatisch, wenn sie die entsprechenden Vorbilder haben. Freude, darf nicht nur ein Wort aus unseren Leitlinien sein, sondern darf zu einer Kultur werden, in der wir die Kinder einladen.

Heute dürfen wir auf über 20 ehrenamtliche Mitarbeiter zurückschauen, die uns in dieser Zeit begleitet haben. Wir durften mehrere Teams gründen, Teamleiter benennen und die ersten Personen auch finanziell unterstützen. Wir gründeten unterschiedliche Kursangebote, arbeiten mit Partnern wie dem diakonischen Werk in Solingen zusammen, starteten Kurse in Verbindung mit der Jugendförderung Solingen, leiteten einen externen Kurs in der Gläsernen Werkstatt und dienten der Stadt Solingen nach dem Anschlag im Sommer 2024 in einer kreativen Aufarbeitung auf dem Fronhof. Wir sind gewachsen. Schon lange ist es nicht einfach nur eine Idee. Die Idee wurde zu einer Arbeit in der Stadt Solingen die sich etabliert und die eine junge Generation erreicht und prägt. Dies hat zur Folge, dass wir immer wieder Dinge anpassen und verändern müssen.

 

So ist es unserem jetzigen Trägerverein StandUp e.V. nicht länger möglich unsere Arbeit weiterhin zu tragen.


Das bedeutet konkret, dass wir ab dem 31.03. 2026 vorerst keinen Träger mehr haben und unsere laufenden Kurse pausieren müssen.



Wir sind uns als Team einig, dass unser Angebot auf keinen Fall fehlen darf, sondern im Gegenteil weiterwachsen darf.


Jetzt benötigt es eigene Strukturen und juristische Grundlagen.


Im Moment sind wir dabei einen eigenen Verein zu gründen, der die Kreativwerkstatt tragen soll und darüber hinaus eine Plattform bietet, um neue Arbeitsfelder zu erschließen, um der Stadt noch vielfältiger zu dienen.


Verabschiedung von Jens aus der Kreativwerkstatt und aus dem Leitungsgremium von Herzenssache.


Manchmal muss man etwas Altes loslassen, damit etwas Neues wachsen kann. Damit will ich nicht sagen, dass ich alt bin – aber ich bin mir sicher, dass es genau jetzt an der Zeit ist, die Arbeit in gute Hände abzugeben.

 

Ich bin von ganzem Herzen Pionier und Gründer und weniger ein Verwalter. Es gibt immer wieder Punkte, wo ich merke, dass all die Ideen in meinem Kopf irgendwann zu viel sind und Teams überfordern können. Dann ist es häufig an der Zeit für die Mitarbeiter selbst auf dem guten aufzubauen und die eigenen Ideen zu pflanzen. Das wird und darf für Veränderung sorgen. Ich habe immer versucht kein System zu bauen, sondern ein Organismus. Eine Arbeit die lebendig und nicht starr ist. Bei all dem habe ich die Arbeit nie als mein Eigentum betrachtet, sondern bin davon überzeugt, dass sie ein Ausdruck der Liebe Gottes ist für diese Stadt. So bin ich getrost, dass auch er es sein darf, der die Herzen weiterhin bewegt. Der Ideen gibt und der das Unmögliche möglich macht.

Die letzten Jahre waren für uns als Familie ziemlich wild. Wir mussten immer wieder Dinge anpassen und es war gar nicht so einfach die Zeit zu finden, die wir eigentlich gebraucht hätten. Umso mehr freuen wir uns jetzt, bevor es in die nächste Aufgabe geht, eine Zeit zu haben, wo wir ein wenig zur Ruhe kommen und Neues dazu lernen dürfen.







Ich danke euch von Herzen für eure Begleitung, für jeden Zuspruch und für so viele Momente, wo ich so viel Dankbarkeit erleben durfte, für die Dinge, die ich mit auf dem Weg bringen durfte.

 

Mit lieben Grüßen und Gottes SegenJens

 
 
 

Mädchen malt auf Leinwand
Eines meiner Lieblingsgemälde

Ich war in einer Veranstaltung in der ich als Künstler live malte. Live malen bedeutet immer eine gewissen Anspannung. Wirklich Raum das Bild neu anzufangen, weil ein blöder Fehler passiert, ist kaum da, da man im besten Fall ein Ergebnis bis zum Ende der Veranstaltung vorzeigen möchte. Mitten im Prozess tauchte dann dieses kleine Mädchen auf und fragte kühn ob sie nicht mitmalen dürfe. Ich liebe Kinder und einer meiner Lieblingsaufgaben ist sie in ihrer Kreativität freizusetzen - doch jetzt, waren alle Augen auf mich gerichtet - und ich wusste, dieses Mädchen an meiner Arbeit zu beteiligen würde bedeuten mein Konzept, meine Vorstellung loszulassen. Die Kontrolle quasi abzugeben, nicht zu wissen, was am Ende herauskommt. Spannend oder? Eine Situation in der uns Kinder immer wieder bringen, ungeplant, mitten im Alltag. Wir treffen dann die Entscheidung, wie es weiter geht. Lassen wir sie teilhaben an unserer wichtigen Erwachsenenwelt oder drücken wir unbewusst aus: Du bist noch nicht so weit, das ist nichts für dich, du verstehst das noch nicht - oder irgendwann bestimmt.

In diesem Moment läuft unser Leben wie geplant weiter - aber könnte es sein, dass wir eine Chance verpasst haben, den Kindern Raum zu geben, nicht nur einen Raum in denen sie so funktionieren, wie wir das gerne hätten, sondern RAUM, wo sie einfach KIND sein dürfen. Ihren Teil in unsere Erwachsenenwelt beitragen - und vielleicht, vielleicht ist es genau DER TEIL, den WIR ERWACHSENE so sehr brauchen. Mal ganz ehrlich, manchmal habe ich das Gefühl, wir leben in einer Gesellschaft in deren Kinder geduldet werden, ein notwendiges Übel, schließlich war man ja selbst mal Kind. Man muss eben das Beste daraus machen. Aus dieser Haltung entstehen Situationen das Spielplätze eher skeptisch beäugt werden, Schulen verklagt werden, da sie als Ruhestörung empfunden werden und Schulhöfe nur dezent gestaltet werden, da es die Ästhetik der Nachbarn stört. Ehrlich? Wollen wir das sein? Mich erinnert das an eine Geschichte aus der Bibel:


Jesus war in einer wichtigen theologischen Diskussion verwickelt - und dann geschah es, dass Kinder auf ihn zukamen. Natürlich wurde sofort eingeschritten und man versuchte sie von ihm fernzuhalten, schließlich, war er in einer wichtigen Diskussion. Was tat er? Er sprach, Lasst die Kinder zu mir kommen. Er ließ sich einfach unterbrechen und stellte sie in die Mitte, schenkte ihnen Beachtung und sagte den bekannten Satz: Wehret Ihnen nicht, den Ihnen gehört das Himmelreich. Das ist nicht "dulden", das ist ehren, emporheben ihnen Raum geben, Gehör schenken, sie als Teil der Gesellschaft sehen - JETZT - nicht erst dann, wenn sie so funktionieren, wie wir es gerne hätten - ganz nach unseren Regeln. Ja, ich habe mich getraut. Das kleine Mädchen malte das dazu, was sie schön fand und in ihrem Alter bereits Zeichnen konnte. Es entstanden kleine Häusschen, Blumen und ein Pferd. Nein, es war nicht mehr das, was ich wollte, aber es entstand eine tiefe Bewegung, die durch den ganzen Raum ging - ein Szene, die weitaus schöner war als jedes Bild und die Herzen berührte. Das entstandene Bild - hat jetzt umso mehr wert und ist für die Familie des kleinen Mädchen zu einer echten Kostbarkeit geworden. Sie war danach so voller Energie, dass sie sich ihre Schürze umhängte und voller Freude durch den Raum rannte. Sie war überzeugt, dass sie SUPERGIRL ist.


PS: Das oben abgebildete Bild, ist ein Gemälde, das ich im Nachhinein gemalt habe, da mich die Situation so berührt hat. Das Bild könnte ihr als Kunstdruck bei mir erwerben.


 
 
 
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